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Schüleraustausch ist Kulturaustausch

Schüleraustausch ist Kulturaustausch

Es gibt viele Gründe ein Jahr ins Ausland zu gehen. Manche wollen nur die Sprache lernen, andere haben es auf ein "High-School Diploma" oder einen billigen Führerschein abgesehen. Wieder andere wollen die Kultur des Gastlandes kennenlernen und noch einmal andere wollen einfach nur weg von zu Hause. Egal aber was die Motivation des/der AustauschschülerIn (in Folge: ATS) ist, eines läßt sich (ich meine: zum Glück!) nicht vermeiden: Langfristiger Schüleraustausch ist immer Kulturaustausch.
Mit Kultur meine ich in diesem Zusammenhang nicht Mozart, Beethoven und Goethe, die lassen sich einigermaßen vermeiden, wenn mensch das will. Mir geht es vielmehr um die Art und Weise des Zusammenlebens der Menschen eines Landes. Auch Länder die uns vermeintlich sehr ähnlich sind wie z.B. die USA oder die skandinavischen Länder, haben doch in Wirklichkeit eine andere Kultur. Die Menschen haben schlicht andere Vorstellungen darüber was gut oder falsch ist (Soziologen nennen das: andere Wertvorstellungen). So spielt z.B. der Nationalstolz in den USA eine ganz andere Rolle als bei uns und in Spanien hat mensch andere Vorstellungen davon, wie Tiere zu behandeln sind.
Neben diesen Werten sind auch die ungeschriebenen und uns häufig gar nicht bewußten Regeln, wie mensch sich zu verhalten hat (Soziologiebegriff: Soziale Normen), anders. In Deutschland gibt mensch sich zur Begrüßung zum Beispiel die Hand. In Spanien gibt’s links und rechts ein Küßchen (aber Vorsicht: nur wenn mindestens eine von beiden Personen eine Frau ist!)
Diesen kulturellen Unterschieden kann mensch (anders als als Tourist) als ATS nicht aus dem Weg gehen. Dazu ist der Aufenthalt zu lang. Das führt dann dazu, daß mensch als ATS häufig nicht versteht, warum sich ein Bekannter/eine Bekannte im Austauschjahr sich gerade so verhält, wie sie sich verhält oder mensch kommt sich wie ein kleines Kind vor, weil mensch gerade überhaupt nicht weiß, welches Verhalten von einem erwartet wird.
"Warum dann der ganze Streß?" mag jetzt der eine oder die andere fragen. Nun, mensch kann ein Austauschjahr damit verbringen, sich über diese "albernen Sitten" und über diese "schwachsinnige Einstellung" der Leute zu diesem oder jenem Thema aufzuregen (nach dem Motto: "Die spinnen die Polen/ Amis/ Brasilianer/ etc."). Mensch kann aber auch ein Austauschjahr als unheimliche Chance begreifen, eine andere Kultur mit ihren Wertvorstellungen und Gebräuchen kennen und verstehen zu lernen. Ebenso ist ein Austauschjahr eine Chance die eigenen Wertvorstellungen und alles was mensch bisher für selbstverständlich genommen hat zu erkennen und zu hinterfragen. Wer kann schon wirklich sagen "in unserer Kultur haben wir die "richtigen" Wertvorstellungen"? Gut, es wird sicher nicht selten behauptet, aber wer mal mit "offenem Kopf" eine längere Zeit in einem anderen Land lebt, wird feststellen, daß die Wertvorstellungen anderer Kulturen durchaus ein ebenso stimmiges System ergeben. Ebenso ist es doch letztlich egal ob mensch sich zur Begrüßung die Hand gibt oder den Hintern aneinanderreibt, solange es eben das in der Kultur angemessene Verhalten ist.
Dieser Prozeß des Hinterfragens, des "Immer - für - selbstverständlich - genommenen" ist es, was gemeint ist, wenn häufig von der "Erweiterung des persönlichen Horizonts" gesprochen wird - eine Phrase unter der ich mir vor meinem Austauschjahr nicht das geringste vorstellen konnte. Letztlich ist aber genau diese Chance das eigentlich Tolle, das Einmalige an einem Austauschjahr und der Grund warum ich jedem und jeder, die bereit ist, sich auf was Neues einzulassen, nur raten kann ein Austauschjahr zu machen. Es lohnt sich.

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