Manuels Start in seinen Schüleraustausch in Texas
| Manuel | |
| 2025/2026 | |
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AJA-Stipendium
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Mir ist auch bewusst geworden, wie klein Deutschland im Vergleich zu den USA ist und wie groß die Welt da draußen eigentlich ist. Ein Auslandsjahr öffnet einem wirklich die Augen und zeigt einem, wie viele Möglichkeiten es gibt, neue Orte zu entdecken, neue Kulturen kennenzulernen und über sich selbst hinauszuwachsen.
Am 2. August 2025 war es endlich so weit: Ich bin in die USA geflogen, um mein Auslandsjahr in Texas zu beginnen. Ich war unglaublich aufgeregt und gleichzeitig auch ein bisschen nervös, meine Familie und alles, was ich kannte, für ein ganzes Jahr zu verlassen. Ich hatte schon lange davon geträumt, ein typisch amerikanisches Leben zu führen, in eine echte Highschool zu gehen und die Kultur dort hautnah mitzuerleben. Ich wollte wissen, ob das Leben, das man immer nur aus Filmen kennt, wirklich so ist. Und genau das habe ich bekommen – nur teilweise hatte ich vorher nicht damit gerechnet, wie typisch amerikanisch es sein würde.
Der Flug selbst war anstrengend. Ich hatte insgesamt vier Flüge hintereinander und war über 24 Stunden unterwegs, bis ich endlich mein Ziel erreicht hatte. Natürlich war das kein einfacher Trip, aber ich hatte Glück, dass ich keinen einzigen Flug verpasst habe und ich war dankbar für die Mitarbeiter von YFU, die mich an den Flughäfen in Empfang genommen und mir geholfen haben, zum nächsten Gate zu kommen und alles mit dem Gepäck zu regeln. Als ich dann endlich am Flughafen in Texas angekommen bin, habe ich zum ersten Mal meine Gastfamilie gesehen. Es ist ein anderes Gefühl, die Menschen, die dich für ein Jahr aufnehmen, endlich live zu treffen, statt sie nur über Videoanrufe zu kennen. Meine Gastfamilie war sofort unglaublich herzlich: Es ist eine fünfköpfige Familie mit zwei Hunden und zwei Katzen, und alle haben mich direkt herzlich willkommen geheißen. Ich wusste sofort, dass ich hier ein Zuhause auf Zeit gefunden habe.
Die erste Woche war für mich sehr ungewöhnlich. Jetlag hatte ich zwar kaum, aber an die Sprache musste ich mich gewöhnen. Den ganzen Tag Englisch zu sprechen, war anfangs ungewohnt, aber man findet sich schnell zurecht. Ich hatte nur wenige Tage nach meiner Ankunft, bis die Schule startete, also wurde ich förmlich ins amerikanische Schulleben reingeworfen. Einen Tag vor Schulbeginn durfte ich erst einmal die Band kennenlernen, was mir sehr geholfen hat, mich an die Schule zu gewöhnen. Alle Mitglieder waren super nett, haben sich für mich interessiert und mich direkt in die Gruppe integriert. Ich hatte sofort das Gefühl, dass die Amerikaner generell viel freundlicher und offener auf Austauschschüler zugehen, als ich es von Europäern gewohnt war. Die Menschen hier sind oft sehr positiv eingestellt, motiviert und offen. Sie unterstützen sich gegenseitig, feiern ihre Teams, ihre Schule und ihren Glauben. Das ist etwas, das ich mir in Deutschland mehr wünschen würde. Dieses Gemeinschaftsgefühl und die Hilfsbereitschaft. Man grüßt sich einfach viel häufiger auf den Straßen und führt Smalltalk.
Die Highschool, auf die ich gehe, ist genauso, wie man sie aus Filmen kennt – Metalldetektoren an den Eingängen und Polizisten zur Sicherheit. Zum Beispiel muss man hier auch, typisch für Highschools, immer den Raum wechseln und unterschiedliche Lehrkräfte für jede Stunde aufsuchen, während wir in Deutschland oft im gleichen Klassenzimmer bleiben und die Lehrer zu uns kommen. Außerdem hat man jeden Tag den gleichen Stundenplan, und die Tests sind meistens Multiple Choice, was sie wirklich leicht zu bearbeiten macht. Insgesamt macht Schule hier aber viel mehr Spaß als in Deutschland - durch die gute Community und die vielen Klassenkameraden, die man durch all die unterschiedlichen Fächer kennenlernt. In der Cafeteria gibt es typisch
amerikanisches Essen: kleine, abgezählte Portionen in Plastikbehältern, was mich ein bisschen stört, wenn ich an den Aufwand denke, den wir uns in Deutschland für Recycling machen. Ein großer Pluspunkt gegenüber deutschen Schulen ist, dass alle Lehrer hier sehr nett sind und man eine persönliche Beziehung zu ihnen aufbaut. Besonders schön finde ich, dass sie alle Christen sind, sodass man offen über Gott und den Glauben sprechen kann.
Was mir besonders gefällt, sind die Sportevents an der Highschool, vor allem die Footballspiele freitagabends. Dazu gibt es sogenannte „Pep Rallies“, bei denen sich die ganze Schule kurz vor Schulende in der Sporthalle trifft. Die Band spielt Musik, die Coaches sprechen über das bevorstehende Spiel, und alle feiern zusammen. Es ist richtig cool zu sehen, wie sehr die ganze Schule hinter ihrem Team steht und wie viel Gemeinschaft dabei entsteht.
Einen großen Teil meiner Freizeit hier nimmt aktuell die Marching Band ein. Eine Band, die viel größer ist, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Wir sind um die 150 Mitglieder. Ich spiele Saxophon und gerade ist Marching-Band-Season. Es macht unglaublich viel Spaß, zusammen mit allen zu marschieren und unsere Show, die wir schon seit Monaten proben und immer mehr verbessern, bei Wettbewerben aufzuführen. Ich habe mich hier auch in die Loading-Crew integriert, um mitzuhelfen und solche Events möglich zu machen. Oft fahren wir an Samstagen mit dem Bus zu Wettbewerben, was zwar anstrengend ist, aber die Amerikaner sind längere Autofahrten gewohnt und es lohnt sich total. Demnächst fahren wir zum Texas State Marching Band Contest nach San Antonio und ich hoffe, dass wir viel Spaß haben und vielleicht sogar einen guten Platz erreichen. Wenn die Marching-Band-Saison vorbei ist, freue ich mich schon darauf, mit der Band Weihnachtslieder zu spielen und mich auf Weihnachten einzustimmen. Was den Sport angeht, habe ich mich für Baseball entschieden. Da die Season erst im Frühjahr anfängt, habe ich auch genügend Zeit zu üben und die Regeln zu verstehen.
Auch außerhalb der Schule unternehme ich viel. In meiner Freizeit gehe ich oft mit meinen Freunden ins Fitnessstudio, was richtig viel Spaß macht oder wir machen andere Dinge zusammen. Mit meiner Gastfamilie gehe ich regelmäßig in die Kirche – sonntags morgens und abends und mittwochs ist Jugendabend. Es ist mir sehr wichtig, dass ich auch hier in den Gottesdienst gehen kann. Zusammen als Jugend machen wir immer richtig coole Sachen. Zum Beispiel gehen wir demnächst zu einem Konzert. Leider ist es hier nicht möglich, einfach das Haus zu verlassen und mit seinen Freunden loszuziehen, da man überall auf ein Auto angewiesen ist. Zum Glück haben die meisten Schüler hier mit 16 Jahren ihren Führerschein. Etwa 30 Minuten entfernt von dem Ort, in dem ich lebe, liegt eine etwas größere Stadt, in die wir gerne fahren, da es dort einfach mehr Möglichkeiten gibt.
Ein besonderes Highlight der ersten Monate war der Ausflug nach Washington, D.C. mit meiner amerikanischen Organisation „FLAG“. Der Ausflug fand vom 26. bis 29. September statt und diente dazu, FLAG besser kennenzulernen und andere Austauschschüler aus allen Teilen der USA zu treffen. Wir haben ein paar Tage in einem Hotel verbracht und die Stadt erkundet. Wir haben das Weiße Haus gesehen, das Washington Monument, das Thomas Jefferson Memorial und das Martin Luther King Jr. Memorial. Außerdem haben wir einige Museen besucht. Die Zeit dort hat mich sehr geprägt. Es war aufregend, andere Austauschschüler kennenzulernen, gemeinsam die amerikanische Geschichte zu entdecken und einfach diese intensive Erfahrung in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten zu genießen. Als ich zurück nach Texas kam, war ich richtig emotional und dankbar, dass meine Organisation uns diese Gelegenheit gegeben hat. Es war einfach etwas ganz Besonderes.
An meiner Highschool sind tatsächlich noch drei weitere Austauschschüler, darunter ein Deutscher, mit dem ich mich sehr gut verstehe. Wir tauschen uns oft über unser Heimatland aus und es ist schön, jemanden zu haben, der ähnliche Erfahrungen macht. Ich habe das Gefühl, dass es allen Austauschschülern so geht: Man lernt schnell, neue Freunde zu finden und man wird hier wirklich gut integriert.
Natürlich gab es auch einige Kulturschocks. Zum Beispiel essen die Amerikaner hier viel öfter Fastfood und es ist viel üblicher, außer Haus zu essen. Die Autos hier sind riesig – fast jeder fährt einen großen Pickup-Truck – und die Benzinpreise sind deutlich günstiger als in Deutschland. Außerdem fahren die Menschen hier viel längere Strecken mit dem Auto, als wir Europäer es gewohnt sind. Trotzdem gefällt mir die amerikanische Mentalität, bei der Religion ja einen hohen Stellenwert hat.
Nach drei Monaten fühle ich mich schon sehr wohl. Es ist erstaunlich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich merke jeden Tag, das ich besser Englisch spreche, sicherer im Umgang mit den Menschen werde und viel gelernt habe. Anfangs war alles noch ein bisschen wackelig, aber mittlerweile fühle ich mich richtig angekommen. Mir ist auch bewusst geworden, wie klein Deutschland im Vergleich zu den USA ist und wie groß die Welt da draußen eigentlich ist. Ein Auslandsjahr öffnet einem wirklich die Augen und zeigt einem, wie viele Möglichkeiten es gibt, neue Orte zu entdecken, neue Kulturen kennenzulernen und über sich selbst hinauszuwachsen.
Rückblickend kann ich sagen, dass meine ersten Erwartungen an das Auslandsjahr größtenteils erfüllt wurden. Ich wollte ein typisch amerikanisches Leben erleben, und genau das habe ich bekommen – wie in den Filmen, nur echter und viel intensiver. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe, meine Familie für eine Weile zu verlassen und die USA für mich zu entdecken. Die ersten drei Monate waren aufregend, lehrreich und unvergesslich. Ich habe viel über mich selbst gelernt, neue Freundschaften geschlossen, meine Englischkenntnisse verbessert und unvergessliche Erinnerungen gesammelt. Ich freue mich auf die nächsten Monate, weitere Erfahrungen zu machen, mehr über die amerikanische Kultur zu lernen und noch mehr zu wachsen – sowohl persönlich als auch sprachlich.
Alles in allem kann ich sagen, dass diese ersten Monate in Texas mich geprägt haben. Ich habe gelernt, offen auf Menschen zuzugehen, mich auf Neues einzulassen und die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Ich bin dankbar für meine Gastfamilie, meine Freunde, die Schule und die Organisation FLAG, die mir all diese Möglichkeiten ermöglicht haben. Dieses Auslandsjahr ist für mich eine einmalige Chance, die ich in vollen Zügen genieße und ich freue mich auf alles, was noch kommt. Ich kann es nur sehr empfehlen, ein Auslandsjahr zu machen und sich auf dieses Abenteuer einzulassen!
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