Meine Erfahrungen im Schüleraustausch in Norwegen

Mein erstes halbes Jahr im Winterwonderland

Mein Schüleraustausch in Norwegen

Nach circa drei Monaten hat sich dann auch das Gefühl des normalen Alltags durchgesetzt und mit diesem die Realisierung, dass ein Auslandsjahr nicht 10 Monate Urlaub bedeutet, sondern auch Hürden mit sich bringen kann. Diese mussten überwunden werden, wobei ich jedoch von Mal zu Mal an den Aufgaben gewachsen bin.

Meine Erfahrungen im Schüleraustausch in Norwegen

Falls du gerade überlegst, ein Auslandsjahr zu machen und vielleicht noch nicht ganz genau weißt, was das ist und wo du hin möchtest, hilft dir mein kleiner Bericht sicherlich weiter. Hei! Ich bin Luca, 16 Jahre alt und ich bin jetzt ziemlich genau seit einem halben Jahr in Norwegen, genauer gesagt in Mo i Rana, direkt am Polarkreis.

Mein Auslandsjahr begann letztes Jahr im August mit einem kleinen Zwischenstopp in Oslo. Dort hatte ich neben einem Seminar auch die Möglichkeit, mit weiteren Austauschschüler*innen, die ich teilweise schon von meinem Vorbereitungsseminar kannte, erste positive Eindrücke von Norwegen zu sammeln. Mit dem Wissen, dass ich durch den Aufenthalt in Oslo nicht komplett ins kalte Wasser geschmissen werde, fühlte ich mich ein wenig sicherer in den letzten Tagen vor dem Abflug. Denn natürlich fiel mir der Abschied von meinen Freund*innen und meiner Familie in Deutschland sehr schwer. Vor allem, da ich wusste, dass ich jetzt für 10 Monate all diese wichtigen Personen nur über FaceTime sehen kann. Als ich nach vielen Tränen meiner Mutter das letzte Mal gewunken hatte, stand ich nun nur noch mit meinem Handgepäck mitten im großen Getümmel des Flughafens. Die zugleich gute und schlechte Nachricht war, dass ich jetzt auf mich „allein“ gestellt war und dieses Gefühl der Freiheit und Sicherheit war regelrecht beflügelnd.

Warum ausgerechnet Norwegen?

Diese Frage habe ich mittlerweile am häufigsten gestellt bekommen und die Antwort ist simpel. Ich wollte einen Blick in die Zukunft wagen. Norwegen ist in vielerlei Hinsicht weiter als Deutschland; beispielsweise ist das Schulsystem viel besser, so dass ich nur allein dafür in Norwegen bleiben würde. Ich habe nicht nur meine Schulmaterialien und meinen Computer vollkommen selbstverständlich von meiner Schule gestellt bekommen, sondern auch eine Busfahrkarte sowie täglich Frühstück und Mittagessen. Ich kann mich noch sehr genau an meinen ersten Schultag erinnern. Der Schulleiter kam mit einem großen Lächeln zu mir und hat sich als Thomas vorgestellt, während ich ihn nur ganz verdutzt angeschaut hatte. Dass Schüler*innen und Lehrkräfte sich in norwegischen Schulen auf einer Ebene begegnen, hatte ich schon nach kurzer Zeit begriffen. Es ist zum Beispiel völlig normal, einander auf Social-Media-Plattformen zu folgen, mit den Lehrkräften über Probleme zu sprechen, ihre Telefonnummern zu haben und sie auch beim Vornamen anzusprechen.

Die Interessen und Stärken der Jugendlichen in Norwegen werden ab der 11. Klasse auf der weiterführenden Schule, der sogenannten „Videregående skole“ durch Schwerpunktklassen vertieft und gefördert. Ich hatte das große Glück, in eine der wenigen weiterführenden Schulen zu kommen, in der der Schwerpunkt Musik, Tanz und Theater angeboten wird. Durch die riesigen Kostüm-, Probe- und Tanzräume sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Der etwas offensichtlichere zweite Punkt, weshalb ich Norwegen für mein Auslandsjahr gewählt habe, war die Natur. Den Traum, die Nordlichter zu sehen, konnte ich mir schon mehrere Male erfüllen. Die kleinen Fjorde und die wunderschönen Sonnenaufgänge inmitten der großen Berglandschaft lassen ein ganz neues Lebensgefühl aufkommen. Nicht umsonst gehört Norwegen zu den Ländern mit den glücklichsten Menschen der Welt. Anfangs hatte ich noch versucht, all diese schönen Naturereignisse zu fotografieren, gab es allerdings schnell wieder auf, weil es einfach zu viele davon gibt.

Meine norwegische Familie(n)

Aber gehen wir doch noch einmal zurück zu meinem Start in Norwegen. Nach meinem zweitägigen Aufenthalt in Oslo ging es für mich weiter in den Norden zu meiner Gastfamilie, die ich ca. drei Wochen vor meinem Abflug zugeteilt bekommen habe. Neben meinen beiden Gasteltern besteht diese noch aus meiner achtjährigen Gastschwester und einer kleinen Katze. Auch wenn die Familienkonstellation mit zwei Elternteilen neu für mich war (in Deutschland lebe ich zusammen mit meiner Mutter und meiner kleinen Schwester), konnte ich mich sehr schnell zurechtfinden und seit dem ersten Tag ein richtiges Familiengefühl entwickeln. Dadurch war das Zelebrieren der bisherigen Feiertage, wie Weihnachten und mein Geburtstag, auch viel positiver, als ich zu Anfang erwartet hatte. Denn tatsächlich hatte ich schon etwas Sorge, vor allem an diesen Tagen von Heimweh übermannt zu werden. Eine gewisse zweite norwegische Familie habe ich recht schnell im Theater gefunden, das mir vor allem anfangs viel Mut und Halt in der neuen Umgebung gegeben hat. Ich verbrachte etliche Nachmittage damit, neue Tänze und Theaterstücke mit meiner Theatergruppe zu erarbeiten und dadurch haben wir uns schon nach kürzester Zeit blind vertraut.

10 Monate - eine lange Zeit?

Die ersten paar Wochen meines Auslandsjahres hatten sich erstmal noch angefühlt wie ein großer, herausfordernder Abenteuerurlaub, in dem so viel Positives passiert, dass ich gar nicht wusste, wovon ich als Erstes erzählen sollte. Powernaps am Nachmittag waren in dieser Zeit ein absolutes Muss, da das Denken und Sprechen in drei verschiedenen Sprachen sehr neu und erschöpfend für mich war. Allerdings sah ich dies von Anfang an als etwas sehr Positives an, da ich nicht nur die Möglichkeit bekommen hatte, eine komplett neue Sprache zu lernen, sondern nebenbei auch mein Englisch zu verbessern. Denn von einem Tag auf den anderen wurde dies die Sprache, in der ich mich hier in Norwegen am sichersten fühle.

Nach circa drei Monaten hat sich dann auch das Gefühl des normalen Alltags durchgesetzt und mit diesem die Realisierung, dass ein Auslandsjahr nicht 10 Monate Urlaub bedeutet, sondern auch Hürden mit sich bringen kann. Diese mussten überwunden werden, wobei ich jedoch von Mal zu Mal an den Aufgaben gewachsen bin.

Durch die zunehmende Dunkelheit und Kälte haben wir seit Mitte Oktober fast durchgängig Schnee und Minustemperaturen von bis zu -25 °C. Ski- und Schlittschuhfahren ist daher eine typische Wochenendaktivität und gehört eindeutig zu einem meiner Highlights hier. Je dunkler und kälter es jedoch hier im Norden wurde, desto mehr Heimweh hatte ich auch entwickelt. Allerdings vermisse ich lieber meine Familie und Freund*innen in Deutschland, als dass ich dieses Auslandsjahr mit all den Erfahrungen missen möchte. Ich habe hier so viele unfassbar tolle Menschen kennengelernt, dass ich neben dem Heimweh auch schon beginne, ein gewisses Fernweh nach Norwegen zu entwickeln und es für mich noch nicht so wirklich greifbar ist, dass ich in knapp 4 Monaten schon wieder zurück nach Deutschland fliege.

Also, falls du die Möglichkeit hast, ein Auslandsjahr zu machen, nutze sie! Du wächst nicht nur über dich hinaus und vertiefst deine Kenntnisse in gleich zwei Sprachen, du hast außerdem auch das große Glück, ein zweites Zuhause an einem ganz anderen Ort in der Welt zu finden.

Mehr zum Schüleraustausch nach Norwegen mit Experiment e.V. 

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