Mein Schüleraustausch in Irland
| Mareile | |
| 2022/23 | |
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AJA
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Ich habe mir ein kleines Notizbuch gemacht, in dem ich alle Ausflüge und besonderen Erlebnisse auf je einer Seite mit Fotos, kurzen Texten und Zeichnungen festgehalten habe. So kann ich immer wieder zurückschauen was ich alles erlebt habe.
Beim Vorbereitungsseminar haben wir eine Einführung und Tipps bekommen. Mir ging es dabei vor allem darum, die anderen Austauschschüler, die mit mir nach Irland reisen werden, kennenzulernen und zu schauen, wer bei mir in der Nähe oder bei mir auf der Schule sein würde. So hatte ich im August bei der Ausreise schon ein paar bekannte Gesichter an meiner Seite.
Ich war in den Tagen und Wochen vor meiner Ausreise voller Vorfreude auf eine schöne Zeit in Irland und habe aber auch so viel mit meinen Freunden und meiner Familie unternommen, dass mir gar nicht die Zeit blieb, aufgeregt zu sein. Am Tag vor der Abreise bin ich noch einmal mit meiner Familie zum Abschied essen gegangen und am nächsten Morgen mit meiner Mutter mit dem Zug nach Frankfurt gefahren. Da wir früh dran waren, hatten wir noch ein paar Stunden am Flughafen zusammen, was mir den Abschied etwas erleichtert hat.
Da wir eine Stunde verspätet in Irland gelandet sind, war die Ankunft etwas stressig. Wir mussten zügig zu einem Hotel in Cork, in dem es eine Einführung gab, bevor wir unsere Gasteltern treffen konnten. Die ersten Tage waren ganz aufregend, aber meine Gasteltern haben viel Geduld mit mir gehabt, auch wenn ich am Anfang oft etwas gebraucht habe, bis ich mich gut ausdrücken konnte. Die ersten Tage war noch ein anderes deutsches Mädchen in meiner Gastfamilie, da ihre Gastmutter erst später konnte. Das hat uns beiden ein bisschen geholfen.
Meine Gasteltern leben zusammen mit ihrem jüngsten Sohn (25) und seiner Freundin in einem Haus in Carrigaline. Wir hatten drei Hunde und ab und zu auch mehr, da meine Gastmutter auf andere Hunde aufgepasst hat, wenn die Besitzer nicht konnten. So war immer was los. Meine Gasteltern nehmen schon seit 23 Jahren Schüler bei sich auf, sodass sie viel Erfahrung mitbrachten und schon wussten, wo sie mich unterstützen und was ich selber entdecken musste. Ich hatte ein relativ großes Zimmer für mich und war sofort im Alltag integriert. Abends haben wir zusammen Fernsehen geschaut und Tee getrunken. Vor der Schule bin ich nach der ersten Woche alleine aufgestanden, da die beiden meistens lange geschlafen haben. Sonntags hat mich mein Gastvater oft zur Kirche gefahren und an den Abenden haben wir häufig zusammengesessen und uns über Musik ausgetauscht, da wir einen ähnlichen Musikgeschmack haben.
Zu meiner Schule, dem Edmund Rice Catholic College (ERC), konnte ich laufen. Bis Weihnachten war ich dort mit einer anderen Deutschen, die fünf Minuten zu Fuß von mir wohnte. Als wir dort ankamen, sind wir zunächst zum Sekretariat gegangen und wurden dort von dem Akademischen Berater abgeholt, um Fotos für unsere „Anseo-Card“ zu machen, mit der wir uns jeden Morgen im System der Schule einloggen mussten. Danach sind wir zu Ms Flynn, unserer Schulleiterin, gegangen, wo wir unsere Fächer gewählt haben. Ich habe Spanisch, Biologie, Geschichte und Construction Studies, also Architektur und Arbeit mit Holz, genommen. In Englisch und Mathe war ich zunächst im Ordinary Level, bin aber in beiden Fächern nach kurzer Zeit ins Higher Level gewechselt. Das ERC hat sehr hohe Ansprüche, so hatte ich im 5th Year immer viele Hausaufgaben. Dennoch war der Unterricht sehr interessant und ich konnte nicht nur inhaltlich viel lernen, sondern auch andere Herangehensweisen des Lernens. Der Matheunterricht wurde schnell zu einer besonderen Herausforderung, da wir in Deutschland ganz anders rechnen als in Irland. Auch die Christmas und February Exams waren ziemlich hart, da man innerhalb einer Woche in allen Fächern eine zweistündige Prüfung schreibt und bis zu drei Exams an einem Tag haben konnte.
Mein soziales Engagement habe ich in dem Charity Shop in Carrigaline jede Woche samstags von 10 bis 13 Uhr gemacht. Dort waren wir bis Weihnachten drei Austauschschülerinnen. Danach habe ich alleine weitergemacht. Wir haben zunächst hinten im Shop gespendete Klamotten sortiert, gesteamt und Preisschilder angebracht oder gespendetes Geschirr abgewaschen. Später haben wir im Laden mitgearbeitet, Klamotten sortiert oder das Schaufenster neu gestaltet. Die Arbeit dort hat Spaß gemacht und ich habe mich immer darauf gefreut.
Die Betreuung vor Ort hat ganz gut geklappt. Wir hatten die Handynummer unserer Ansprechpersonen und konnten sie immer erreichen, wenn irgendetwas war. Sie haben sich dann immer sofort gekümmert.
Ich hatte recht schnell ein paar Austauschschüler, mit denen ich mich gut verstanden habe und die auch in Carrigaline wohnten. Auch in der Schule wurde ich schon am ersten Tag in einer Freundesgruppe mit aufgenommen, sodass ich, auch als die andere Deutsche an meiner Schule abreiste, noch Leute in der Schule und auch außerhalb hatte, mit denen ich mich getroffen und mit denen ich mich gut verstanden habe. So hatte ich eigentlich immer Menschen um mich, sodass ich keine Zeit hatte, darüber nachzudenken, was ich zu Hause verpasse, und somit auch kaum Heimweh hatte. Als im Februar die Abreise einiger Austauschschüler mit einer Prüfungswoche, die es nur an meiner Schule gab, zusammenkam, hatte ich dann doch etwas „Blues“. Der ging aber schnell wieder vorüber, da ich kurz darauf ein Wochenende Besuch von meiner Patentante bekam und auch anfing, mich mit den Austauschschülern, die erst im Januar angekommen sind, zu treffen.
In Irland bin ich total gut klargekommen. Ich habe am Anfang etwas gebraucht, bis ich mich getraut habe, wirklich Englisch zu sprechen, aber nachdem das überwunden war, habe ich selbst am Ende noch jede Woche meine Sprachkenntnisse verbessert.
Mit den Menschen bin ich auch gut klargekommen. Die Iren sind oft nicht so direkt wie die Deutschen, sondern sind meistens freundlich und hilfsbereit, unabhängig davon, was sie von dir denken. So fühlt man sich einerseits viel willkommener, muss aber auch ein bisschen ein Gefühl dafür entwickeln, wer dich wirklich mag und wer „nur“ nett zu dir ist. Das ist zum einen gut, da man ein besseres Miteinander hat, kann aber auch zu Missverständnissen führen, wenn man das noch nicht gewohnt ist. Ich habe mich damit sehr wohl gefühlt.
Irland ist ein tolles Land, auf meinen Ausflügen konnte ich etwas von der tollen Natur und Kultur dort entdecken. Zum einen war ich mit der irischen Organisation (ASE) beim Whale Watching, bei den Cliffs of Moher, zweimal in Dublin und bei Killarney auf einer Bootstour auf dem Upper Lake mit anschließender Wanderung. Das waren alles total schöne Ausflüge, da man die anderen Austauschschüler wiedersah und man zu vielen der Orte sonst gar nicht hingekommen wäre, da dort keine Busse fuhren oder es für einen Tagesausflug zu weit gewesen wäre. Zum anderen war ich auch in Kinsale, Cobh, Limerick, beim Ring of Kerry, bei der St. Patrick’s Parade in Dublin, auf Sherkin Island und auf Klassenfahrt in London. Meine Höhepunkte waren die Klassenfahrt nach London und die Tour um den Ring of Kerry mit meiner Patentante. Da es Februar war, bei der Ring-of-Kerry-Tour, war sehr wenig los und wir konnten die Einsamkeit genießen und unserer Fotoleidenschaft nachgehen.
Der Abschied ist mir total schwergefallen, da ich mich so gut eingelebt habe. Es war ganz komisch, zu allen Tschüss zu sagen und zu wissen, dass du einen Großteil der Menschen nicht noch mal sehen wirst. Den letzten Tag habe ich dann noch mit ein paar irischen Freunden am Strand verbracht. Bis ich wieder in Deutschland gelandet war und meine Familie nach den neun Monaten wiedergesehen habe, fühlte sich das nicht real an und ich wollte eigentlich auch gar nicht wieder nach Hause zurück.
Als Tipp kann ich dir nur mitgeben, jeden Augenblick zu genießen, so viel zu erleben und zu sehen wie möglich und dich ganz auf die Erfahrung einzulassen. Das ist etwas Einmaliges und lohnt sich total!!! Auch wenn du am Anfang vielleicht keine Ahnung hast, wie du alleine in einem fremden Land, einer fremden Kultur und einer fremden Sprache klarkommen sollst, solltest du nicht aufgeben – es wird einfacher und du wirst deine ganz eigenen Erfahrungen machen, die dein Leben bereichern werden und an die du immer gerne zurückdenken wirst. Ich habe mir ein kleines Notizbuch gemacht, in dem ich alle Ausflüge und besonderen Erlebnisse auf je einer Seite mit Fotos, kurzen Texten und Zeichnungen festgehalten habe. So kann ich immer wieder zurückschauen, was ich alles erlebt habe. Aber vor allem anderen: Hab Spaß in deinem Jahr!
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