Schüleraustausch La Reunion: Vulkan

Schüleraustausch in Frankreich einmal anders - Mein Austauschjahr auf La Réunion

Ella auf La Réunion - langsam kehrt Leben zurück

Neben den vielen tollen Dingen, welche ich in den letzten Tagen zusammen mit meiner Gastfamilie erlebt habe, setzten eine andere deutsche Austauschschülerin und ich fleißig das Erkunden weiterer sehenswerter Orte der Insel fort, genossen kurze Strandbesuche, nette Stadtbummel und kleine Exkursionen

Hallo ihr Lieben,

mit dem Übergang in den Mai hat sich unser ungewöhnlicher Alltag, geprägt durch die knappen zwei Monate in Ausnahmesituation wegen der derzeitigen Umstände der Coronakrise, nun endlich wieder ein Stück zurückgewandelt und fühlt sich schon beinah wieder gewöhnlich an. Denn nun ist die Ausgangssperre auf Réunion weitgehend aufgehoben und so langsam tönen aus allen Winkeln und Ecken Geräusche und Melodien hervor, orientalische Gerüche der Gewürzstände machen sich breit und die Sonne beseelt die Gemüter der Menschen mit ihrem warmen Schein. Das Leben reckt und streckt sich und lebt neu auf, als wäre es eine Zeit lang fern von hier gewesen.

Von der Lebenslust getrieben, warteten auch meine Gastfamilie und ich nicht lange ab, um nach der Aufhebung der Regelungen endlich wieder die Natur genießen zu können. Bereits am ersten Tag des déconfinements klingelte um vier Uhr morgens unser Wecker (was wirklich hart war, denn für mich war dies seit vielen Wochen das erste Aufstehen vor 9 Uhr) und fuhren daraufhin noch vor Sonnenaufgang in Richtung Nordwesten Réunions. Von dort aus ging es dann entschieden kurvig bergauf, während die Sonne langsam den Tag belebte. Als wir schließlich am Aussichtspunkt Piton Maïdo, welcher sich 2.205 Meter über dem Meeresspiegel befindet, ankamen, war ich ehrlich überwältigt von dem so traumhaften Blick in das Tal, in dem es keinerlei Straßen gibt und welches man ausschließlich per Helikopter oder zu Fuß betreten kann. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie etwas so schönes gesehen! Durch die kalte Bergluft und die zarten Sonnenstrahlen aufgeweckt, probierten wir uns an einem zaghaften ersten Spaziergang nach langer Bewegungspause (und nach den magenfeindlich scharfen Kurven) und konnten somit noch eine Weile die tolle morgendliche Atmosphäre genießen. Danach setzten wir mit der Besichtigung einiger Meeresbuchten und kulturellen Sehenswürdigkeiten fort und kamen schließlich am späten Nachmittag erschöpft zu Hause an.

Nur zwei Tage später bepackten wir das Auto erneut mit Wanderausrüstung, Campingstühlen und einem gefüllten Frühstückskorb und machten wir uns diesmal in morgendlicher Dunkelheit auf den rauen Weg zum Vulkan. Allein die Anfahrt dorthin war unheimlich schön, denn durch unser Wetterglück hatten wir eine tolle Sicht auf den inaktiven Vulkan Réunions. Das frühe Aufstehen belohnten wir mit einem Croissant-Picknick am Ziel der Anfahrt - dem Start des Wanderwegs und Aussichtspunktes auf den aktiven Vulkan. Die ungewöhnliche Landschaft und vor allem die außerordentliche Nähe zum Vulkan war unheimlich beeindruckend (und machte meiner Einstufung zum Schönsten, jemals gesehenen, eindeutig Konkurrenz). Da der Rundwanderweg allerdings auf Grund von Corona noch gesperrt war, spazierten wir zwar nur ein wenig auf einem schmalen Wanderpfad entlang, konnten jedoch nichts desto trotz von der fantastischen Natur profitieren.

Neben den vielen tollen Dingen, welche ich in den letzten Tagen zusammen mit meiner Gastfamilie erlebt habe, setzten eine andere deutsche Austauschschülerin und ich fleißig das Erkunden weiterer sehenswerter Orte der Insel fort, genossen kurze Strandbesuche, nette Stadtbummel und kleine Exkursionen. So fuhren wir eines Morgens mit dem Bus in ein kleines Bergdorf im Cirque de Cilaos und starteten dort eine Wanderung, die um das Tal herum führte. Das Finden des Weges stellte sich allerdings als etwas komplizierter als gedacht heraus, wodurch wir mit vielen unheimlich netten Dorfbewohnern ins Gespräch kamen, die sich sehr über Besucher, in dem zur Außenwelt beinah abgegrenzten Ort, freuten, uns den Weg wiesen und uns auf diesem teilweise sogar ein Stück begleiteten. Dabei stellten wir wieder einmal fest, wie aufgeschlossen und freundlich, hilfsbereit und interessiert die meisten Menschen auf Réunion sind und welch persönlicher Kontakt sich allein durch ein kurzes Gespräch mit ihnen aufbauen lässt. Selbst der Busfahrer rettete uns mehr als einmal davor, bei ihm einzusteigen und statt abwärts Richtung Westküste, weit hinauf in die Berge zu fahren. Schließlich tuckerten wir mit dem (richtigen!) Bus die schmale 400-Kurven-Straße hinab, wobei uns, geblendet von der kräftigen Nachmittagssonne, langsam die Augen zufielen…

Nun bleibt mir noch genau ein Monat auf Réunion, bevor ich mich von meiner zweiten Heimat verabschieden muss und zurück nach Deutschland fliege. Es kommt mir absolut unwirklich vor, dass dies bereits in so naher Zukunft ist, denn während das réunionesische Leben so vor sich hin trödelt, rast die Zeit in Windes-(oder eher Zyklon-)eile davon und lässt einen nicht an eine baldige Abreise denken. Trotz allem freue ich mich natürlich auch schon wieder auf «das andere» zu Hause und genieße jetzt erst einmal in vollen Zügen die letzten fünf Wochen meines Aufenthalts.

Liebe Grüße, Ella

Den vollständigen Bericht von Ella über ihren Schüleraustausch auf der französischen Insel findet ihr bei unserer Mitgliedorganisation Dr. Frank Sprachreisen (DFSR).

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