Tobias vor seiner Schule im Schüleraustausch in den USA

Schüleraustausch USA - alles einmal anders

Ein Jahr im Ausland öffnet einem die Tür zu Erfahrungen und Erlebnissen, zu denen kein Außenstehender Zugang hat.

Dieses Jahr würde anders sein, als all die bisherigen Jahre. Das wusste ich, sobald ich den Brief mit den Informationen über meine Gastfamilie in den USA geöffnet hatte. Ich sollte das kommende Jahr in der Nähe eines kleinen Ortes mit 8000 Einwohnern im Süden des Südens der Vereinigten Staaten verbringen – in Bay Minette, Alabama.

Und tatsächlich waren die 10 Monate, die ich inmitten flacher, großzügiger Landhäuser, gastfreundlicher Südstaatler und glänzenden Pick-Up-Trucks verbrachte Monate, die ich so in der Millionenmetropole Berlin, aus der ich stamme, nie hätte erleben können. Es war das bisher wohl einzige Jahr, dass so spannend und gleichzeitig so entspannt war.

Schüleraustausch ist eine spannende Zeit

Weshalb es so spannend war, ist leicht erklärt. Ein Jahr im Ausland öffnet einem die Tür zu Erfahrungen und Erlebnissen, zu denen kein Außenstehender Zugang hat. Ich erlebte 10 Monate lang die Freuden und Leiden eines (fast) normalen High School Schülers. Nie werde ich vergessen, wie ich inmitten 100 anderer überglücklicher Bandmitglieder den Pokal für die beste „Fieldshow“ in die Luft stieß, nachdem wir 2 Monate in der sengenden Nachmittagssonne Alabamas dafür geprobt und trainiert hatten. Oder wie ich mein erstes Fußballspiel bei Flutlicht im Stadion spielen durfte, angefeuert von Schulkameraden und Eltern und das, obwohl dieser Sport in den Südstaaten eher als eine Randsportart gilt. Der School Spirit an meiner High School war für mich unglaublich beeindruckend und eines der Dinge, die ich nach der Rückkehr an meine deutschen Schule am stärksten vermisst habe.

Nicht alles perfekt - aber umso prägender

Die Zeit war allerdings auch spannend, weil sie eine Herausforderung war, denn mein Gastbruder und ich haben uns während der gesamten Zeit nicht gut verstanden. Zwischen uns beiden hat es leider einfach nicht gepasst. Das sorgte für Spannungen in der Familie, obwohl ich zu meinen Gasteltern eigentlich ein sehr gutes Verhältnis hatte und bescherte mir so manchen Tag, an dem ich an der Entscheidung zweifelte, in dieses so fremde Land zu dieser (mir anfangs) so fremden Familie gegangen zu sein. Doch meine wundervolle Zeit in der Schule und mit meinen Freunden erleichterte mir den schweren Beginn und nachdem sowohl meine Gastmutter als auch ich und endlich ein Herz gefasst und in einem großen Streit alles besprochen hatten, was unser Verhältnis belastete, war auch zwischen meinen Gasteltern und mir eine besondere Nähe und ein Vertrauen entstanden, was vorher gefehlt hatte.

Ich habe nie die „zweite Familie“ gefunden, von der viele Austauschschüler berichten, aber ich bin durch diese schwierige Situation in dem einen Jahr um mindesten 3 Jahre gereift und habe in dieser Familie und an dieser Schule ganz besondere Freunde gefunden, die ich fast 5 Jahre nach meiner Rückkehr bereits mehrmals wieder besucht habe!

Zudem veränderte dieses Jahr meinen Blick auf das Land und dessen Gesellschaft insgesamt, was sich in Diskussionen über die USA mit Freunden und Familie immer wieder zeigt und für mich eine unglaubliche Bereicherung darstellt!

Gleichzeitig war dieses Jahr sehr „entspannend“. Das liegt daran, dass dieses Auslandsjahr das einzige Jahr war, in dem sich die Gedanken nur um das Leben vor Ort zu dem Zeitpunkt, an dem man sich gerade befand, drehen konnten. Fragen darüber, wie die Abiturphase und alles danach mein Leben und die Beziehungen zu meinen Freunden verändern würde, spielten überhaupt keine Rolle. Ich konnte mich uneingeschränkt auf das konzentrieren, was ich erleben durfte!

Ehrenamtliches Engagement nach dem Schüleraustausch

Ich habe selbst, wie oben angedeutet, nicht unbedingt das Ideal eines Auslandsjahres erlebt und nichtsdestotrotz eine einzigartige und prägende Zeit in den USA verbracht. Deswegen engagiere ich mich als Teamer bei Partnership International e.V., um den angehenden Austauschschülern mitteilen zu können, was für ein unvergleichliches Jahr sie trotz aller möglichen Herausforderungen erleben können. Außerdem hilft dieses Engagement auch mir, meine Erinnerungen an das Leben in den Südstaaten lebendig zu halten, denn nach jedem Vor- oder Nachbereitungsseminar - also nach jedem intensiven Austausch mit ehemaligen und zukünftigen Austauschschülern - sitze ich im Zug und denke an dieses so andere Jahr in Bay Minette, Alabama.

Tobias verbrachte das Schuljahr 2011/2012 mit Partnerschip International e.V. in den USA.

Informationen zum Schüleraustausch in den USA

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