Austauschschülerin Leila mit ihrer amerikanischen Gastmutter

Schüleraustausch USA - ein ganz besonderes Jahr

Exchange isn’t a year in your life, it’s a life in a year

Austauschschülerin Leila mit ihrer amerikanischen Gastfamilie

Bevor ich zu meinem Abenteuer Auslandsjahr aufbrach, saß ich wochenlang an meinem Computer um Berichte von anderen Austauschschülern zu lesen und mich auf das vorzubereiten, was mir bevorstand. Während meiner Recherche stieß ich auf einen Spruch: „Exchange isn’t a year in your life, it’s a life in a year.“, also auf Deutsch, ein Auslandsjahr ist kein Jahr in deinem Leben, es ist ein Leben in einem Jahr. Dieser Spruch beschreibt nur zu gut, wie schwierig es ist zusammenzufassen, was ich während meines Schüleraustausches alles erleben durfte und in wie fern es mich geprägt hat. Trotzdem möchte ich nun versuchen, einen Überblick über diese unglaubliche Erfahrung zu geben.

Meine Gastfamilie

Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie es war meine Gastfamilie zugeteilt zu bekommen. Jeden Tag nach der Schule warf ich hoffnungsvoll einen Blick in den Briefkasten und in meine E-Mails um zu sehen, ob es endlich so weit war und ich wissen würde, wohin für mich die Reise ging. Eines Morgens war es so weit, ich fuhr meinen Computer hoch und sah eine auf Englisch verfasste E-Mail mit dem Titel „deine Gastfamilie aus Downers Grove, Illinois“. Von da an schrieben wir uns viele E-Mails und nach einigen Wochen war es dann soweit und nach einem langen Flug nach Chicago traf ich sie zum ersten Mal. Das erste Mal auf seine Gastfamilie zu treffen ist ein ganz sonderbares Gefühl. Du begegnest einer Familie, die du nur von Fotos und aus E-Mails kennst und weißt, dass du das ganze nächste Jahr mit ihnen verbringen wirst. Doch zum Glück verstanden meine Gastfamilie und ich uns auf Anhieb hervorragend und sie taten alles, damit ich mich so bald wie möglich bei ihnen zu Hause fühlte. Letztens habe ich meine Gasteltern gefragt, wann sie gemerkt haben, dass ich mich bei ihnen eingelebt hatte und sie sagten, als ich mich traute, selbst Essen aus dem Kühlschrank zu nehmen und ich mich auf dem Sofa wie daheim mit Decken und Kissen ausbreitete.

Weil das Zusammenleben in einem neuen Umfeld mit neuen Leuten erst ungewohnt sein kann, ist mein Tipp an Gastschüler und Gastfamilien, dass offene Kommunikation das A und O ist. Natürlich traut man sich anfangs oft nicht nachzufragen und hat oft auch noch nicht die besten sprachlichen Mittel, aber wenn man sich überwindet und alles klar abgesprochen wird, klappt das Zusammenleben viel besser.

Viele gemeinsame Ausflüge

Nun war ich also bei meiner Gastfamilie im wunderschönen Downers Grove angekommen, einem Vorort der Millionenstadt Chicago. Da meine Gasteltern früher beide in Chicago gewohnt haben und die Stadt lieben, versuchten sie so gut wie jedes Wochenende Ausflüge mit mir in Chicagos verschiedene Stadtteile zu machen, um mir „ihr Chicago“ zu zeigen. Dadurch bekam ich so viele tolle Dinge zu sehen. Von Museen, über leckeres Essen zu Architektur und Parks war alles mit dabei. Meine Gasteltern betonen immer wieder wie sehr auch Ihnen diese Ausflüge gefallen haben, da sie Chicago noch einmal durch meine Augen entdecken konnten und sie sonst wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen wären, viele von diesen tollen Orten erneut zu besichtigen.

Auch vom Rest der USA bekam ich viel zu sehen. Sobald ich Schulferien hatte, packten wir die Koffer, da mir meine Gastfamilie so viel wie möglich von ihrem Land zeigen wollte. Sage und schreibe dreizehn US-Staaten bekam ich im Laufe meines Auslandsjahres zu sehen: Illinois, Indiana, Michigan, Ohio, Iowa, Missouri, Atlanta, Alabama, Kalifornien, Tennessee, Georgia, Wisconsin und auch Virginia sowie die Hauptstadt Washington DC. Niemals hätte ich erwartet, dass ich in einem Jahr in den USA so viel zu sehen bekommen würde. Aber dazu später mehr. Zuerst möchte ich noch mehr über meine Gastfamilie berichten.

Eine besondere Beziehung zu meiner Gastschwester

Da ich ihre erste Austauschschülerin war, war dieses Jahr für uns alle eine ganz neue Erfahrung und ich bin immer noch davon überwältigt, wie viel Gastfreundschaft und Vertrauen mir entgegengebracht wurde. Doch die für mich persönlich wichtigste Erfahrung, die ich mit meiner Gastfamilie machen durfte, war das Zusammenleben mit meiner kleinen Gastschwester Ryan. Ich bin es zwar von meiner eigenen Familie gewohnt eine große Schwester zu sein, aber was Ryan mir beigebracht hat ist eine so wichtige Bereicherung in meinem Leben, die ich ohne mein Auslandsjahr wahrscheinlich nie so erlebt hätte. Ryan hat eine geistige Behinderung und ist im Alltag schwer eingeschränkt. Sie kann nicht sprechen und ist gerade dabei, Gebärdensprache zu erlernen. Sie musste mit ihren sieben Jahren schon zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen und hat generell in ihrem Leben schon sehr viel durchstehen müssen. Trotzdem lacht und spielt sie und zeigt Liebe wie jedes andere Kind. Diese Lebensfreude trotz all der Rückschläge ist etwas woran ich mir ein Beispiel nehmen möchte und etwas, dass mich dazu motiviert hat, anderen helfen zu wollen. Ryans Eltern setzen sich für Menschen mit Behinderung ein und an dieser Welt voller Engagement und Nächstenliebe durfte ich teilhaben. Sei es eine Spendengala, ein Benefizspiel oder nur wie liebevoll sie im Alltag mit ihrer Tochter umgehen und sie fördern, auch wenn das nicht immer einfach ist.

Seit ich zurück in Deutschland bin, habe ich noch regelmäßigen Kontakt zu meiner Gastfamilie. Wir skypen einmal pro Woche und haben schon Pläne für gegenseitige Besuche gemacht. Ich hoffe sehr, dass dieser Kontakt lange bestehen bleibt, und, um ehrlich zu sein, ich habe daran auch gar keine Zweifel.

Leila verbrachte das Schuljahr 2017/2018 als Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) mit YFU e.V. in den USA.

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