Ella in Irland

Trotz Quarantäne und Corona – Mein Schüleraustausch in Irland

Ellas High School-Start in Irland

Man lernt aber auch voll viele soziale Sachen und zwangsläufig auch über sich selbst, dadurch, dass man sich ja ein neues Leben aufbauen muss.

Ella in Irland

Heute lebe ich seit einem Monat in Newcastle West, einem kleinen Ort in Irland, Limerick. Ich lebe hier in einem Haus mit meiner italienischen Austauschschwester Ilaria, meiner Gastgranny Susan und einer kleinen alten Hündin (Lady) zusammen. Ich verstehe mich gut mit meiner Gastfamilie, obwohl wir alle sehr verschieden sind und auch andere Interessen haben.

Die ersten zwei Wochen waren ja ziemlich außergewöhnlich wegen der Quarantäne. Durch die Langeweile habe ich viel Sport mit meiner Gastschwester gemacht. Ich hatte jeden Tag von 8 Uhr bis 14 online Unterricht von meiner Partner Organisation, was echt gut war, um etwas zu tun zu haben. Die Lehrer waren mega nett und man musste viel reden, was ich am Anfang schwierig fand aber mit der Zeit hat es Spaß gemacht. Außerdem habe ich viele Fernsehshows mit meiner Gastgranny geguckt.

Ich liebe es, dass ich nicht nur Sachen über die irische Kultur lerne, sondern auch über die italienische. Meine Gastschwester und ich kochen manchmal zusammen und unser Langzeitprojekt ist, dass ich lerne das „R“ zu rollen. Bis jetzt habe ich zweimal traditionelle deutsche Gerichte versucht und beide Male ist es schiefgegangen. Semmelknödel und Currywurst. Trotzdem fand meine Gastfamilie die Essen überraschenderweise lecker und sie wollen sogar, dass ich es nochmal mache:))

Nach vier Wochen, habe ich zum ersten Mal das Gefühl mich einzuleben. Die Zeit war viel emotionaler, als ich mir das vorgestellt habe. Ich hatte zwar gar nicht so viel Heimweh bis jetzt, aber eher Phasen, wo ich mir nicht vorstellen konnte, dass ich mich einleben werde und Sachen finde, die mir Spaß machen. Mittlerweile hat sich das schon verändert. Ich habe zum Beispiel Orte gefunden, die ich mag. Und es gibt 4 richtig coole Second-Hand Läden in New Castle West, in denen ich mit anderen Austauschschülern schon öfters war. Außerdem habe ich angefangen, Fußball zu spielen und obwohl ich wirklich, wirklich noch schlecht bin, sind alle mega nett, offen und motivierend, sodass es Spaß macht. Ansonsten mache ich noch Scouting (Pfadfindern). Anfangs war ich nicht so sicher, ob ich das überhaupt mag, aber es ist echt cool, um Kontakte zu knüpfen und es ist auch nicht so streng mit Uniform oder so. Ich finde es cool, dass ich ohne das Auslandsjahr niemals in meinem Leben Pfadfindern ausprobiert hätte und es jetzt einfach, weil es so wenige Sachen hier gibt, mache. Wir campen an Wochenenden draußen in Hängematten und ich bin gespannt, wie es wird.

In der Schule wird Corona sehr ernst genommen, was ich gut finde, aber es gleichzeitig auch viel schwieriger macht, Kontakte zu knüpfen. Die ersten zwei Tage waren für mich komplette Reizüberflutung und nach der Schule hatte ich immer Kopfschmerzen nur davon, dass alle Englisch geredet haben. Die ersten zwei Wochen konnte ich mir fast keine Leute und die dazugehörigen Namen richtig merken, was auch wegen der Uniform und den Masken so war. Und dazu kommt auch noch, dass zumindest fast alle Jungs denselben Haarschnitt haben, was echt mega verwirrend ist. Außerdem gibt es in jeden meiner Kurse mindestens zwei Michaels, Jacks und Conners und dadurch, dass es auch gängige Nachnamen gibt, gibt es einen Kurs, indem zwei Jack Kennedys und zwei Micheal O’Conners sitzen.

Die Menschen hier sind alle mega nett und hilfsbereit, was es einfacher macht, Räume zu finden und Fragen zu stellen. Die Schule ist anders als in Deutschland gestaltet. Zum Beispiel muss man sich nicht melden, sondern man beginnt einfach zu reden, wenn man eine Antwort hat. Außerdem gibt es Pflichtfächer, wie Health Education oder auch Study Skills, wo man seine Hausaufgaben machen kann.

Die Regeln sind für mich schon streng, aber ich beginne mich daran zu gewöhnen, eine Uniform zu tragen und nur bestimmten Schmuck und Sporthosen tragen zu dürfen.

Mittlerweile verstehe ich im Unterricht relativ viel aber zum Beispiel verstehe ich meinen Geschichtslehrer, dadurch dass er einen ländlichen Dialekt spricht, fast gar nicht. Die Iren können ihn aber auch kaum verstehen, was mich etwas beruhigt.

Die Lehrer sagen in jedem Satz “Lads“, was Leute bedeutet und es ist nicht “you“ im Plural sondern “Ye“. Außerdem sind auf meiner Schule noch viele andere Austauschschüler, was Vorteile und Nachteile hat, aber es ist auf jeden Fall oft hilfreich.

Trotz Corona versucht unsere Gastgranny, uns im Laufe des Jahres schöne Orte in der Nähe zu zeigen. An einem Tag haben wir “Ballybunion“, einen mega schönen Strand mit Klippen, besucht. Ich konnte Ilaria, meine Gastschwester überreden, baden zu gehen, obwohl das Wasser so kalt war, dass wir unsere Beine nicht mehr gefühlt haben. (Es hat sich gelohnt.) Außerdem waren wir in Limerick, einer größeren Stadt, um Schulbücher zu kaufen. Aber da es in Irland ein gutes Bus-Netz gibt, können wir auch alleine in Städte in der Nähe fahren.

Bis jetzt habe ich schon so viel Neues gelernt und es ist so krass, wie viele Erfahrungen man macht. Und obwohl ich wusste, dass es passieren wird, ist es ganz anders und krasser. Bis jetzt hilft mir am meisten Sport, wenn ich mit nicht so gut fühle oder Heimweh habe. Außerdem habe ich zum ersten Mal glaube ich, eine Toilette alleine sauber gemacht und meine Wäsche gewaschen (Das ist wirklich schlimm, also dass ich, das zum ersten Mal alleine mache. Es ist auch noch nicht routiniert :)).

Man lernt aber auch voll viele soziale Sachen und zwangsläufig auch über sich selbst, dadurch, dass man sich ja ein neues Leben aufbauen muss. Ich finde es schon krass, dass man herausfinden muss, was man für ein Mensch ist und was man unabhängig von anderen mag, weil ich mir darüber im Ganzen, noch nie so richtig Gedanken gemacht habe, dadurch dass ich einfach so vor mich hin gelebt habe in meiner bekannten Umgebung mit der Familie und den Freunden. Es ist schwer, aber ich glaube, dass es sich echt lohnt.

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