USA - der Schulbus kommt

Mein Schüleraustausch in Texas

Manuels Auslandsjahr in den USA – Teil 2

Das Leben in einem anderen Land, weit weg von meiner Familie und meinem gewohnten Umfeld, hat mir geholfen, über viele Dinge intensiver nachzudenken. Ich reflektiere mich selbst deutlich mehr als früher und hinterfrage meine Entscheidungen, meine Ziele und meine Zukunft.

USA Schüleraustausch

Manuel, war mit YFU für ein Jahr zum Schüleraustausch in den USA. In seinem ersten Bericht, schrieb er über seine ersten Monate in Texas. Hier könnt ihr Lesen, wie es ihm in den Monaten November bis Januar ergangen ist.

Nach den ersten intensiven Monaten meines Auslandsjahres begann mit dem November eine neue Phase. Die anfängliche Aufregung war verschwunden, vieles fühlte sich nicht mehr neu oder überwältigend an, sondern vertraut. Der Alltag hatte sich eingestellt. Ich hatte meine feste Routine gefunden, wusste, wie mein Tagesablauf aussieht, kannte die Schule, meine Umgebung und die Menschen um mich herum. Genau diese Phase hat mein Auslandsjahr auf eine ganz andere Art geprägt, als die Monate zuvor.

In den Monaten November, Dezember und Januar habe ich gemerkt, wie sehr ich mich persönlich weiterentwickelt habe. Das Leben in einem anderen Land, weit weg von meiner Familie und meinem gewohnten Umfeld, hat mir geholfen, über viele Dinge intensiver nachzudenken. Ich reflektiere mich selbst deutlich mehr als früher und hinterfrage meine Entscheidungen, meine Ziele und meine Zukunft. Dieses Jahr erweitert meinen Horizont enorm. Ich merke schon jetzt, dass ich genau weiß, wie ich viele Dinge angehen möchte, wenn ich nach Deutschland zurückkehre. Das Auslandsjahr hat in mir Veränderungen angestoßen, die nicht nur kurzfristig sind, sondern mich langfristig prägen werden.

Besonders deutlich merke ich diese Entwicklung an meinem Selbstbewusstsein. Nach den ersten Monaten hier bin ich definitiv entspannter, offener und selbstsicherer geworden. Mir fällt es inzwischen viel leichter, auf fremde Menschen zuzugehen, Gespräche zu beginnen und mich aktiv im Unterricht hier einzubringen. Situationen, die mir am Anfang noch unangenehm oder stressig erschienen, sind heute ganz normal für mich. Vor allem im Alltag und in der Schule merke ich, wie sehr ich gewachsen bin.
Ein besonderer Moment ist es jedes Mal, wenn Menschen mich für mein Englisch loben oder mir sagen, wie gut ich mich ausdrücken kann. Dann wird mir bewusst, wie groß mein sprachlicher Fortschritt ist. Am Anfang musste ich oft nach Worten suchen oder hatte Angst, Fehler zu machen. Heute spreche ich deutlich flüssiger, selbstbewusster und ohne ständig darüber nachzudenken. Englisch ist für mich nicht mehr nur eine Fremdsprache, sondern ein echtes Kommunikationsmittel geworden, um mich mit Leuten aus den unterschiedlichsten Ländern zu verständigen. Diese Entwicklung macht mich stolz und zeigt mir, wie wertvoll dieses Jahr für meine persönliche und sprachliche Entwicklung ist.

Auch die Schule fühlt sich mittlerweile sehr alltäglich an. Der Unterricht ist insgesamt sehr entspannt, größtenteils sogar langweilig. Oft habe ich das Gefühl, dass die Lehrer wenig planen und man viel Zeit im Unterricht damit verbringt, nichts zu tun oder auf Aufgaben zu warten. Das Schulsystem unterscheidet sich stark von dem in Deutschland, vor allem durch das niedrigere Lerntempo und die geringeren Anforderungen. Dennoch gibt es auch positive Aspekte.

Besonders interessant finde ich das Fach Social-Media-Marketing. Dieses Fach gibt es in Deutschland nicht, und genau das macht es für mich so besonders. Ich finde es spannend, mehr über Marketing, Werbung und die Wirkung von Social-Media zu lernen. Gerade weil mich wirtschaftliche und unternehmerische Themen interessieren, ist dieser Unterricht eine echte Bereicherung für mich. Außerdem merke ich, dass ich mich viel mehr beteilige als noch zu Beginn meines Auslandsjahres. Ich melde mich öfter, bringe meine Meinung ein und kann aktiv mitdiskutieren – einfach, weil ich selbstbewusster geworden bin und mir die Kommunikation auf Englisch inzwischen leichtfällt.

Ein weiterer wichtiger Punkt dieser Monate sind die Freundschaften, die sich deutlich vertieft haben. Während man am Anfang viele Menschen kennenlernt, aber noch keinen besonders engen Bezug zueinander hat, sind aus einigen Bekanntschaften inzwischen echte Freundschaften geworden. Besonders dankbar bin ich für eine Freundschaft mit einem Jungen aus meiner Schule, mit dem ich inzwischen sehr eng befreundet bin. Wir verbringen viel Zeit miteinander, unterhalten uns, gehen spazieren oder machen gemeinsam Musik in seiner Kirche.

Durch ihn habe ich auch Anschluss an seine Freundesgruppe gefunden. Anfangs war ich eher der „Neue“, der Austauschschüler aus einem anderen Land. Mittlerweile merke ich, dass ich wirklich Teil der Gruppe bin und wertgeschätzt werde. Wir haben zusammen viel Spaß, lachen viel und unternehmen gemeinsam Dinge. Dieses Gefühl, angekommen zu sein und nicht mehr außen zu stehen, bedeutet mir sehr viel. Ich bin dafür sehr dankbar und sehe es nicht als selbstverständlich an.

Auch die Jahreszeiten hier in Texas zu erleben, ist eine neue Erfahrung für mich. Herbst und Winter fühlen sich ganz anders an als in Deutschland. Wenn hier im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, erinnert mich das zwar ein wenig an Deutschland, aber Schnee gibt es kaum. Dennoch konnte ich im Januar einen besonderen Wintersturm miterleben. Es gab Eis und Schnee, und die Schule wurde für mehrere Tage geschlossen. Insgesamt hatten wir vier unerwartete schulfreie Tage, die wir zu Hause verbracht und den Schnee genossen haben. Diese Situation war für mich etwas ganz Besonderes, da solche Wetterbedingungen hier eher selten sind.

Die Weihnachtszeit war für mich emotionaler als erwartet. Gerade in dieser Zeit habe ich meine deutschen Traditionen sehr vermisst: Kekse backen, Lebkuchenhäuser bauen und die typische Weihnachtsstimmung. Gleichzeitig war es aber auch interessant zu sehen, wie Weihnachten hier in den USA gefeiert wird. Kurz vor Weihnachten habe ich an einem Weihnachtsfest der Koordinatorin meiner Organisation teilgenommen. Dort habe ich viele andere Austauschschüler aus verschiedenen Ländern getroffen.

Jeder hat typisches Essen aus seinem Heimatland mitgebracht und gemeinsam zu feiern war eine sehr schöne Erfahrung.
Weihnachten selbst habe ich mit meiner Gastfamilie verbracht. Wir sind, wie schon an Thanksgiving, mit der ganzen Familie zusammengekommen und haben gemeinsam gefeiert. Meine Gastfamilie ist sehr offen, herzlich und einladend, wodurch ich mich auch an den Feiertagen gut aufgehoben gefühlt habe. Trotzdem war es ein seltsames Gefühl, am 25. Dezember bei über 20 Grad draußen in kurzer Hose und T-Shirt unterwegs zu sein und dann bei „fremden“ Familienmitgliedern zu übernachten. Viele Dinge waren ähnlich wie in Deutschland – zum Beispiel der geschmückte Tannenbaum und die Geschenke am Weihnachtstag – und dennoch war alles ein bisschen anders. Trotz dieser Unterschiede habe ich mich überraschend oft fast wie zu Hause gefühlt.
Auch zu weiteren Familienmitgliedern meiner Gastfamilie habe ich ein gutes Verhältnis aufgebaut. Besonders mit dem Cousin meiner Gastgeschwister verstehe ich mich sehr gut. Ich freue mich immer, wenn er da ist und wir gemeinsam Zeit verbringen und etwas Lustiges unternehmen.

Silvester in den USA zu feiern war ebenfalls eine neue Erfahrung. Zunächst haben wir in der Kirche gefeiert und auch Feuerwerk angezündet. Danach sind wir jedoch früh nach Hause gefahren. Mir ist aufgefallen, dass es hier für viele Menschen nicht so wichtig ist, bis Mitternacht wach zu bleiben und ins neue Jahr hineinzufeiern. Da mir das persönlich gefehlt hat, habe ich spontan meine Freunde gefragt, ob sie Lust hätten, gemeinsam weiterzufeiern. Das war für mich eine sehr gute Entscheidung. Wir haben zusammen Poker gespielt, Feuerwerk angezündet und einfach eine schöne Zeit miteinander verbracht. Dieser Abend hat mir gezeigt, wie wichtig mir meine neu aufgebauten Freundschaften inzwischen sind.

Heimweh habe ich insgesamt nur selten. Lediglich in der Weihnachtszeit habe ich meine Familie und mein Zuhause in Deutschland etwas mehr vermisst. Gleichzeitig merke ich aber auch, wie sehr mich dieses Jahr selbstständiger gemacht hat. Momentan bin ich ein wenig nervös, da die Baseball-Saison beginnt und ich gerne mitspielen möchte. Es ist eine neue Herausforderung für mich, auf die ich mich aber auch freue. Mir gibt es viel Sicherheit zu wissen, dass ich jederzeit Unterstützung von meiner Organisation habe, wenn ich mich überfordert fühle oder Hilfe brauche.

Mein Blick auf Deutschland hat sich in diesen Monaten deutlich verändert. Wenn man längere Zeit in einem anderen Land lebt, merkt man, dass sich nicht alles um Deutschland dreht. Man realisiert, wie groß die Welt ist und wie viele andere Länder, Kulturen und Menschen es gibt. Gleichzeitig habe ich Dinge an Deutschland neu schätzen gelernt – vor allem die Unabhängigkeit, die man dort hat. Die Möglichkeit, einfach mit dem Bus, der Bahn oder dem Fahrrad unterwegs zu sein, fehlt mir hier sehr. In den USA ist man fast immer auf ein Auto angewiesen, wodurch man vieles nicht allein machen kann. Auch darauf freue ich mich, wenn ich wieder nach Hause komme. Ebenso freue ich mich darauf, meine Familie wiederzusehen und einfach mit ihnen reden zu können, ohne auf Telefonate angewiesen zu sein.

Besonders stark hat mein Auslandsjahr meine Zukunftspläne beeinflusst. Ich habe einen ganz neuen Blick auf meine Karriere und meine Ziele entwickelt. Ich weiß inzwischen viel genauer, was ich später machen möchte. Die Möglichkeit, die Welt zu bereisen, ist für mich sehr wichtig geworden – und genau das war auch einer der Gründe, warum ich mich für ein Auslandsjahr in den USA entschieden habe. Es ist einfach ein Land mit unendlich vielen Möglichkeiten. Ich kann mir gut vorstellen, später noch einmal für längere Zeit ins Ausland zu gehen oder sogar in den USA zu leben. Das Leben hier ist lockerer, entspannter, und ich schätze das starke Gemeinschaftsgefühl sehr. Diese Lebensweise passt gut zu den Vorstellungen von meiner Zukunft.

Wenn ich die erste Hälfte meines Auslandsjahres in einem einzigen Satz beschreiben müsste, dann wäre es dieser: „Man braucht nicht Jahre, um sich zu verändern, sondern nur 180 Tage Auslandsjahr.“

Ich freue mich sehr auf die kommenden Monate, die ich hier noch erleben darf. Ich bin gespannt, was noch auf mich zukommt, und möchte die verbleibende Zeit mit meinen Freunden und meiner Gastfamilie bewusst genießen. Da noch die Winter- und Frühlingsferien vor uns liegen, gibt es noch viel zu entdecken und viele neue Erfahrungen zu sammeln. Ich kann es kaum erwarten!

Mehr zu den USA-Programmen von YFU findet ihr hier.

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