Schüleraustausch aktuell- Flughafen Anzeigetafel mit Stornierungen
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Schüleraustausch trotz Corona? Ein Interview zur aktuellen Situation im Schüleraustausch

Die Corona-Pandemie hat große Auswirkungen auf den Schüleraustausch. Viele Eltern und ihre Kinder fragen sich, ob ein Austausch in diesen Zeiten überhaupt möglich ist. Abgesehen vom Infektionsrisiko gibt es anderweitige Beschränkungen z.B. bei der Einreise in bestimmte Länder oder bei der Aufnahme in eine Schule, die beachtet werden müssen. Aber auch die Frage wie die Schule den Unterreicht abhält (digital oder in Präsenz), ist für einen Auslandsaufenthalt natürlich sehr relevant. Generell raten wir allen Schülerinnen und Schülern sowie Eltern, sich mit der jeweiligen Austauschorganisation in Verbindung zu setzen. Die Austauschorganisationen verfügen über die jeweils aktuellsten Informationen zu möglichen Einreisebeschränkungen und können beraten und alle Optionen besprechen.

Zur aktuellen Lage im Schüleraustausch und den Umgang der Austauschorganisationen mit dieser besonderen Situation haben wir Christoph Braunschmidt, Teamleiter Gastfamilienprogramm und Entsendeelternbetreuung bei AFS ein paar Fragen gestellt.

Christoph Braunschmidt AFS

 

Konnten Schülerinnen und Schüler von AFS zum neuen Schuljahr in den Schüleraustausch ausreisen?

Die Entscheidung, in welchen Ländern wir Programme anbieten können, ist nicht leicht gefallen. Es gibt mehrere Faktoren, die hier abgewogen werden müssen. Das sind zunächst die Rahmenbedingungen, die einen Austausch überhaupt ermöglichen: sind die Grenzen geöffnet und ist eine Einreise erlaubt, gibt es regelmäßige Flug- oder andere Reiseverbindungen, findet Schule statt. Darüber hinaus betrachten wir auch die Entwicklung der Pandemie in den jeweiligen Ländern und wie seitens der Regierung und Behörden damit umgegangen wird. Und letztlich schauen wir uns an, wie sich die Alltagssituation darstellt, also Sportmöglichkeiten, Treffen mit Freunden, usw. Sprich, was für eine Austauscherfahrung können Jugendliche im Moment dort machen.

All diese Fragen können wir immer nur nach aktuellem Sachstand und unter Einbeziehung der veröffentlichten Daten, z.B. durch das RKI oder die WHO, sowie die Einschätzung unserer Partnerorganisationen zu der Situation vor Ort treffen.

Wir sind aber letztlich zu dem Schluss gekommen, dass es Länder gibt, in die auch in diesem Schuljahr Austausch möglich ist, auch wenn wir deutlich weniger Jugendlichen eine Austauscherfahrung ermöglichen können, als in den letzten Jahren.

In welche Länder findet Schüleraustausch momentan hauptsächlich statt?

Wir bieten im Herbst Austausch ausschließlich in europäische Länder an. Den Anfang haben Jugendliche nach Dänemark gemacht, inzwischen sind auch die Programme nach z.B. Irland, Großbritannien, Norwegen, Schweden, Schweiz, Lettland, Ungarn gestartet. Die Ausreise in die restlichen Länder ist für Oktober geplant.

Anfang 2021 mit unserer sogenannten „Winterabreise“ planen wir zusätzlich Schüler*innen auch nach Argentinien, Uruguay, Chile, USA und Kanada reisen zu lassen, sofern die Situation vor Ort und die Möglichkeit der Visumserteilung dies zulassen.

Welche Länder sind problematisch?

Ich möchte hier keine einzelnen Länder nennen, da die Entscheidung für einen Austausch in ein bestimmtes Land immer auch von einer individuellen Risikoabwägung abhängt. Die Kriterien, die oben genannt wurden, sind dabei die Basis. Darüber hinaus haben wir aktuell auch abgewogen, wie wir reagieren können, wenn es wieder zu Grenzschließungen oder Einschränkungen im Flugverkehr kommt. In solch einem Fall wäre eine Rückkehr aus Dänemark sicherlich einfacher aus von den Philippinen. Wir haben uns auch aus diesem Grund für diesen Herbst auf die europäischen Länder beschränkt.

Mit welchen Problemen ist man als Austauschorganisation aktuell coronabedingt im besonderen Maße konfrontiert?

Die Planung und Organisation eines Schüleraustauschprogramms bedarf in der Regel eines längeren Vorlaufs, da Absprachen getroffen, Gastfamilien gesucht, Flüge gebucht werden müssen. In der aktuellen Situation ist aber vieles nicht so langfristig planbar, da sich die Situation in den einzelnen Ländern stetig ändert und sich daraus neue Rahmenbedingungen oder Auflagen ergeben.

Ein gutes Beispiel sind die Einreisebestimmungen. In Ungarn wurde eine Woche vor geplanter Anreise seitens der Regierung entschieden, dass sich alle Einreisenden in Quarantäne begeben müssen, die entsprechend bestimmter gesetzlich vorgegebenen Bedingungen abzuhalten ist. Die grundsätzliche Möglichkeit einer Quarantäne haben wir natürlich immer im Hintergrund mitgedacht, die Ausgestaltungsvorschriften haben diese Pläne dann aber über den Haufen geworfen. So musste innerhalb kürzester Zeit eine Lösung für Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern gefunden werden.

Für uns als Organisation, vor allem aber für die Teilnehmenden und deren Familien, ist daher aktuell viel Flexibilität, aber auch Geduld gefordert.

Was rätst Du Jugendlichen, die einen Schüleraustausch planen?

Wie bereits oben geschrieben, sind aktuell Veränderungen und Verschiebungen unvermeidlich. Daher müssen sich alle darauf einstellen, zum einen mit einer gewissen Unsicherheit umgehen zu müssen, zum anderen mit Veränderungen wie verschobenen Abreisedaten. Außerdem kann es sein, dass sich die Alltagssituation vor Ort anders darstellt, als sie es aus Schilderungen ehemaliger Austauschschüler*innen gehört haben. Das muss aber nicht unbedingt schlechter sein, im Gegenteil. Vielleicht ergibt sich daraus ein intensiveres Familienleben als es sonst der Fall gewesen wäre.

Das andere, was aktuell hilfreich ist, ist eine gewisse Offenheit bezüglich des Austauschlandes. Wenn wir auf die Abreise im kommenden Sommer schauen, für die man sich aktuell bewerben kann, planen wir zwar mit den Ländern, die wir nach aktuellem Stand anbieten können. Wie sich die Situation in diesen Ländern bis zur Abreise entwickelt und ob ggf. die Entscheidung getroffen werden muss, in einzelne Länder nicht zu schicken, können wir zu diesem Zeitpunkt nicht sicher sagen. In diesem Fall ist es hilfreich, wenn die Jugendlichen bereit sind, sich auch auf ein anderes Land einzulassen.

Wir danken für das Gespräch

Mehr Informationen zum Schüleraustausch mit AFS findet ihr unter www.afs.de

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