Negative Erfahrungen im Schüleraustausch

Was tun bei negativen Erfahrungen im Schüleraustausch?

Ein Interview mit Monika Schreiber von AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

Ein Schüleraustausch, egal in welchem Land, ist eine interkulturelle Erfahrung, die einen auch einmal an seine Grenze bringen kann. Genauso wie zuhause sind im Ausland Herausforderungen, Konflikte und Probleme natürlich nicht ausgeschlossen. Sowohl für dich als Austauschschüler, als auch für deine Gastfamilie ist es nicht immer einfach bestimmte Denk- oder Handlungsweisen zu verstehen. Wenn es dann zu einer Konfliktsituation oder einem Problem kommt gilt es souverän damit umzugehen. Das ist nicht immer einfach und dazu kannst und sollst du dir auf jeden Fall Unterstützung holen. Mitarbeiter deiner Austauschorganisation helfen dir da gerne weiter. Wir haben hierzu ein Interview mit Monika Schreiber von AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. geführt, die Schüler*innen aus Deutschland während ihres Schüleraustauschs betreut.

Negative Erfahrungen im Schüleraustausch

Hallo Monika, was ist deine Tätigkeit im AFS?

Ich bin im Team Sending Betreuung hauptamtlich zuständig für deutsche Schüler/innen im Austausch von der Abreise bis zur Rückkehr, insbesondere innerhalb Europas.

Von wem wirst du kontaktiert und mit welchen Anliegen treten Menschen an dich?

Meine Kontaktpersonen sind überwiegend die Eltern der Schüler*innen sowie die zuständigen Kolleg*innen in den Büros der Gastländer. Dabei handelt es sich um organisatorische Dinge, wie z.B. Adressweitergabe im Falle von Familienwechseln. Es ist aber auch viel Beratungskompetenz und interkulturelle Kompetenz gefragt, wenn es sich um kompliziertere Anliegen wie Heimweh, Schulprobleme, Anpassungsschwierigkeiten im Gastland o.ä. handelt.

Was rätst du Austauschschülern*innen, die negative Erfahrungen machen? Wie sollen sie am besten vorgehen?

Zunächst einmal sollten sie sich klar machen, dass es sehr normal ist, wenn man im Austausch diese oder jene Schwierigkeiten hat und dass die Lösung der Probleme oft eine gute Lernmöglichkeit darstellen. Wichtig ist aber, rechtzeitig das Gespräch zu suchen und sich Unterstützung zu holen. Bei Problemen mit der Gastfamilie sollte man die örtlichen Betreuer involvieren. Auch die Mitarbeiter*innen in den AFS Büros vor Ort können um Hilfe gebeten werden und falls man vor Ort gar nicht weiterkommt, besteht auch die Möglichkeit, über die leiblichen Eltern den Kontakt zum Büro des Entsendelandes aufzunehmen.

Auf keinen Fall sollte man seinen Unmut über die Gastfamilie o.ä. bei Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken öffentlich thematisieren, das würde die Schwierigkeiten nur noch verstärken.

Wie können Eltern aus Deutschland ihr Kind am besten in Problemsituationen im Schüleraustausch unterstützen?

Eltern sollten ihrem Kind den Rücken stärken und es auf die erwähnten Unterstützungsmöglichkeiten hinweisen.

Im AFS Büro des Entsendelandes können die Ansprechpartner*innen kontaktiert werden, für Notfälle außerhalb der Bürozeiten gibt es ein Notfalltelefon, das rund um die Uhr besetzt ist.

Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen in den Komitees vor Ort stehen als Ansprechpartner zur Verfügung und/oder veranstalten Elterntreffen, bei denen die Probleme besprochen werden.

Welche Probleme treten im Schüleraustausch am häufigsten auf und wie werden diese gelöst?

Fast alle Austauschschüler*innen leiden gelegentlich unter Heimweh und/oder kämpfen mit den kulturell andersartigen Erwartungen, Gewohnheiten und Regeln im Gastland, die dann häufig noch durch die vorherrschende indirekte Kommunikation schwer verständlich sind.

Durch Gespräche mit allen Beteiligten vor Ort und geduldiges Aufeinander-Zugehen lassen sich viele Probleme bessern. Erst wenn diese Möglichkeiten erschöpft sind wird an einen Gastfamilienwechsel gedacht. Manchmal wird auch eine schriftliche Zielvereinbarung erstellt, die allen Beteiligten, auch den leiblichen Eltern, zugänglich gemacht und in regelmäßigen Abständen von den örtlichen Betreuern überprüft wird.

Was kannst du (angehenden) Austauschschülern/Austauschschülerinnen mit auf den Weg geben?

Das wichtigste ist, Geduld mit sich selbst und den Menschen in der Umgebung zu haben. Für alle Beteiligten ist es ein großer Lernprozess, der seine Zeit braucht. Ein offener Blick für die Möglichkeiten vor Ort und die Bereitschaft, auf Leute zuzugehen und sich auf Ungewohntes einzulassen, hilft auch sehr. Und die Schule sollte man ernst nehmen, auch wenn man den Stoff vor Ort nicht unbedingt nach der Rückkehr für die hiesige Schullaufbahn verwerten kann.

Vielen Dank für das Interview!

Ein häufiges Problem ist Heimweh. Ein paar Tipps, was du bei Heimweh tun kannst, findest du hier.

Und auch zum Thema Gastfamilienwechsel findest du bei uns bereits einen Beitrag.