Weihnachten in Irland

Weihnachten im Schüleraustausch in Irland

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt auch bei einem im christlichen Raum so bedeutenden Fest wie Weihnachten. Nicht nur in Deutschland ist es der Höhepunkt am Ende des Kalenderjahrs. Auch in deinem Schüleraustausch wird das Weihnachtsfest ein ganz besonderes Erlebnis sein. Wahrscheinlich feierst du in deinem Austauschjahr das erste Mal ohne deine Familie und gleichzeitig aber mit einer neuen Familie, deiner Gastfamilie, und wirst neue Traditionen, neue Feiertage und leckeres Essen in weihnachtlicher Atmosphäre kennen lernen.

Johanna war 2017 für ein Jahr mit AFS als Austauschschülerin in Irland und berichtet uns von ihrer irischen Weihnacht.

Hallo Johanna! Wie hat sich die Vorweihnachtszeit in Irland gestaltet? Hast du etwas Besonderes mit deiner Gastfamilie unternommen?

Johanna: Weil die meisten Iren keine echten Weihnachtsbäume haben, sondern aus Plastik, stellt man seinen Baum schon am 1. Dezember auf. Also haben wir ihn zusammengebaut- eine ganz neue Erfahrung für mich- und geschmückt, sodass man sich immer weihnachtlich gefühlt hat, wenn man ins Wohnzimmer gegangen ist. Abgesehen davon ist die ganze Familie nach Nordirland gefahren, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen, weil man dort vieles billiger bekommt. Man muss zwar in Pfund zahlen, aber daran gewöhnt man sich. :)

Welche Feiertage und Traditionen gibt es in der Vorweihnachtszeit?

Johanna: Besondere Feiertage wie den Nikolaustag gibt es in Irland nicht. Der erste Advent wurde aber groß gefeiert: die Weihnachtsbeleuchtung in meinem Dorf wurde mit einem Feuerwerk am Strand und kostenloser heißer Schokolade feierlich eingeschaltet. Auch Traditionen gibt es in Deutschland viel mehr und vieles überschneidet sich auch. In Irland gibt es zum Beispiel Adventskränze wie in Deutschland, aber nur Kirchen haben einen. Darauf sind fünf Kerzen befestigt: drei in lila und eine in rosa für die Adventssonntage und eine weiße in der Mitte für Weihnachten.

Gibt es bestimmtes Gebäck und wenn ja welches?

Johanna: Den ganzen November und Dezember über haben wir im Schulfach „Home Economics“ (wo man Dinge wie kochen, backen und einen Haushalt führen lernt) an unseren Christmas Cakes gebacken. Das sind typische Früchtekuchen, die sehr arbeitsaufwendig sind, aber wir haben eine einfache Version gemacht und viel an der Dekoration gearbeitet. Christmas Cakes sind nämlich mit Fondant überzogen und werden weihnachtlich dekoriert, also mit Rentieren, Tannen, dem Weihnachtsmann oder goldenen Kugeln (alles aus Fondant!). Das hat natürlich eine Weile gedauert, aber großen Spaß gemacht.

Christmas Cake: Weihnachten in Irland

Wann wird Weihnachten gefeiert und wer bringt in Irland die Geschenke?

Johanna: So richtig gefeiert wird am 25. Dezember. Die Geschenke bringt Santa, deswegen hat ihm auch jeder in der Familie einen Brief mit seinen Wünschen geschrieben, weil meine kleine Schwester noch an ihn geglaubt hat. Das ist in Irland sehr anders als hier: Kinder finden erst viel später heraus, dass die Eltern die Geschenke bringen. Spätestens, wenn man auf die Secondary School kommt (etwa mit 12), sagen einem die Eltern die Wahrheit.

Wie sieht das typische irische Weihnachten aus?

Johanna: Genau wie in Deutschland feiert natürlich auch in Irland jede Familie ein bisschen anders. Bei mir in der Familie wurde es schon am 24. Dezember richtig weihnachtlich: Nachmittags haben wir den Weg zur Kirche mit Windlichtern beleuchtet, sodass schon der Weg zur Messe richtig feierlich war. Dort wurde gesungen und ein relativ normaler Gottesdienst gefeiert, mit der Ausnahme, dass am Ende alle Kinder nach vorne zur Krippe gekommen und „Happy Birthday“ für das Baby Jesus singen durften. Zurück daheim hat jeder seinen Pyjama angezogen und ein Geschenk, das unter dem Baum lag, geöffnet- dort wurden den Dezember über die Geschenke von Verwandten gesammelt. Und dann musste man natürlich noch vor Mitternacht schlafen gehen, weil dann Santa kommt...

Am Morgen des 25. würden wir lautstark von meiner kleinen Schwester geweckt, denn „Santa was here!“. Im Wohnzimmer stand für jeden eine große Tüte mit Geschenken, die wir noch vor dem Frühstück ausgepackt haben.

Den Tag über gab es dann (Weihnachts-)Filme und so ziemlich jeder wenn auch noch so entfernt Verwandter kam vorbei, um frohe Weihnachten zu wünschen. Familie ist den Iren sehr wichtig und es gibt viele Großfamilien- ich war erst Ende November zu meiner neuen Gastfamilie gezogen und habe über Weihnachten so viele Tanten, Cousinen, Großonkel und angeheiratete Cousins zweiten Grades kennengelernt, dass ich den Überblick verloren habe, wer jetzt wie mit mir verwandt ist.

Abends gab es dann das typische Christmas Dinner: alle haben sich schick gemacht und es gab Truthahn, Kartoffeln, Stuffing und vieles mehr. Zum Nachtisch gab es Christmas Pudding und das ganze Essen über wurden Christmas Cracker geöffnet. Das sind aus England bekannte kleine Papierrollen, in denen immer jeweils eine Papierkrone, ein kleines Geschenk und ein Rätsel sind.

Wie war es für dich Weihnachten in Irland zu verbringen?

Johanna: Ich fand es wunderschön. Ich hatte ja gerade erst Gastfamilie gewechselt und war wahnsinnig glücklich mit meinem neuen Zuhause, dadurch war alles noch besser.

Was fandest du am schönsten und was hast du vermisst?

Johanna: Am besten gefallen hat mir glaube ich wirklich, dass die Familie von überallher irgendwie zusammenkommt, auch wenn sie nur kurz hallo sagen und wieder gehen. Dadurch ist das ein ganz besonderer Tag und es liegt immer ein Gefühl von Feierlichkeit in der Luft.

Vermisst dagegen habe ich deutsches Essen- Plätzchen, Lebkuchen, ... Dafür gab es aber Abhilfe: Plätzchen habe ich selbst gebacken und damit alle anderen deutschen Austauschschüler in der Schule sehr glücklich gemacht und Lebkuchen habe ich mir im Lidl gekauft (das ist übrigens ein Profitipp für Deutsche in Irland: was auch immer ihr an deutschen Essen vermisst, die Chancen stehen gut, dass es das im Lidl gibt). Überraschenderweise habe ich meine Familie gar nicht vermisst, weil ich so glücklich war. Ich habe oft gehört, dass Weihnachten einer der Tage mit dem schlimmsten Heimweh sein soll, aber für mich war Weihnachten der erste Tag, an dem ich mir selbst gesagt habe: „I never want to leave“.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dir gefallen all diese Traditionen? Du hast Hunger auf Truthahn, Kartoffeln und Stuffling bekommen und würdest gerne mal in der Schule im Unterrichtsfach „Haushaltsführung“, Christmas Cakes backen? Dann informiere dich weiter und bewerbe dich für einen Schüleraustausch in Irland. Auf der Länderseite Irland findest du viele weitere interessante Informationen rund um Irland, das Leben in einer irischen Gastfamilie, kulturelle Besonderheiten im Schüleraustausch in Irland und wissenswerte Fakten zur Schule. Außerdem kannst du dich hier über die verschiedenen Austauschprogramme zwischen Deutschland und Irland umfangreich informieren.

Vielleicht erlebst du dann schon dein nächstes oder übernächstes Weihnachten in Irland!?

Du möchtest im Schüleraustausch dein Englisch verbessern? Wie wäre es mit einem Auslandsjahr in den USA, Kanada, Australien, Malta, Neuseeland oder Großbritannien?

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