Weihnachten im Schüleraustausch in Skandinavien

Weihnachten im Schüleraustausch in Skandinavien

In Skandinavien, also Norwegen, Schweden, Finnland, Island und Dänemark, wirst du während deines Schüleraustauschs ganz bestimmt weiße Weihnachten erleben. Das Juul-Fest (Weihnachten) wird in Skandinavien oft besonders traditionsreich gefeiert. Als Austauschschüler bzw. Austauschschülerin in Skandinavien kannst du bereits in der Vorweihnachtszeit interessante Traditionen kennen lernen, die es so in Deutschland nicht gibt. Gemeinsam mit deiner Gastfamilie wirst du sicherlich eine gemütliche und besinnliche winterliche Weihnachtszeit verbringen.

Im Gespräch mit austauschjahr.de erzählen Juli und Clara vom Weihnachtsfest während ihres Schüleraustauschs. Juli war 2015/16 in Norwegen und Clara 2016/17 in Schweden. Beide hatten sich für die Austauschorganisation Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V. (YFU) entschieden.

Hallo Juli, hallo Clara! Wie hat sich die Vorweihnachtszeit in Norwegen bzw. Schweden gestaltet? Habt ihr etwas Besonderes mit euren Gastfamilien unternommen?

Juli: In der Vorweihnachtszeit haben wir (meine Gastfamilie und ich) Plätzchen gebacken, den Baum geschmückt und sind viel Ski gefahren. In der Schule haben wir Weihnachtslieder gesungen und sind typisch Norwegisch um den Weihnachtsbaum getanzt.

Clara: Ich habe mich in der Vorweihnachtszeit vor allem mit Freunden zum Backen oder Schlittschuhfahren getroffen. Mit meiner Gastmutter habe ich auch mal Pepparkakor gebacken und bin auf den Weihnachtsmarkt gegangen.

Weihnachten im Schüleraustausch in Skandinavien

Welche Feiertage und Traditionen gibt es in der Vorweihnachtszeit?

Juli: Am 13.12. gibt es das Luciafest, bei dem an die heilige Lucia gedacht wird, und ein Mädchen darf sie spielen. Sie trägt ein weißes Gewand und Kerzen auf dem Kopf.

Clara: Der wichtigste Feiertag in der Vorweihnachtszeit ist das Luciafest. Das ist am 13. Dezember, es ist aber eigentlich die Feier der längsten Nacht des Jahres. Zu Lucia gibt es bekannte Umzüge, bei denen die Mädchen in langen, weißen Gewändern und die jüngeren Jungen mit spitzen Hüten mitgehen und Lucialieder singen. Ein Mädchen ist Lucia selbst und trägt eine Krone mit brennenden Kerzen auf dem Kopf. Luciaumzüge gibt es meistens in Gemeinden und in Schulen, vor allem wenn diese ein Musikschwerpunktprogramm haben. Das Luciafest wird von manchen Schweden größer als Weihnachten selbst gefeiert. Chöre oder andere Ensemble machen auch eher Luciakonzerte als Weihnachtskonzerte. Ansonsten haben einige Leute auch Adventskalender und es gibt im Fernsehen einen Adventskalender als Weihnachtskinderserie mit 24 Folgen, der sehr beliebt ist.

Gibt es bestimmtes Gebäck und wenn ja welches?

Juli: Beim Luciafest gibt es "Lussekatter" das sind süße Brötchen. Außerdem gibt es Milchreis, in dem eine Mandel versteckt ist. Wer diese findet, bekommt ein "Julegris" (ein Marzipanschwein). Und natürlich werden ganz viel Lebkuchen gegessen.

Clara: Ein sehr weihnachtliches Gebäck sind Pepparkakor, Pfefferkuchen, also flache, sehr würzige Plätzchen. Da drin ist Ingwer, Nelken, Zimt und Kardamom. Da der Teig sich ewig hält, kann man einfach am Anfang des Advents einen großen Berg Teig machen und diesen nach und nach zu Plätzchen verbacken. Den Teig gibt es aber auch fertig im Supermarkt zu kaufen. Ein ganz besonderes Gebäck zu Lucia sind Lussebullar, das sind Safrankringel. Die sind gelb (durch den Safran) und schmecken auch danach.

Wann wird Weihnachten gefeiert und wer bringt in Norwegen und Schweden die Geschenke?

Juli: Weihnachten wird am 24. Dezember gefeiert und die Geschenke bringt "Julenissen". Er ist eine Art Kobold und er sieht aus wie unser Weihnachtsmann, nur ist er kleiner.

Clara: Weihnachten wurde in meiner Familie zumindest am 24. Dezember den ganzen Tag lang gefeiert. Es waren viele Verwandte über Weihnachten zu Besuch. Wir haben morgens zusammen im Bett Kakao getrunken und tagsüber alles vorbereitet, also gekocht und den Weihnachtsbaum geschmückt. Die Geschenke wurden vom Weihnachtsmann gebracht, der in Schweden „Tomte“ heißt, und eher wie ein Wichtel aussieht. Meine Gastfamilie war sehr christlich und wir waren an Weihnachten auch in der Kirche – Weihnachten haben wir aber eher weltlich gefeiert.

Wie sieht das typische schwedische bzw. norwegische Weihnachten aus?

Juli: Am Morgen hängt eine Socke mit einem kleinen Geschenk an der Tür. Man guckt „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". In der norwegischen Version übersetzt ein Mann alle Charaktere, was sich ziemlich lustig anhört. Abends zieht man sich schick an und die ganze Familie kommt zum Essen zusammen. Nach dem Essen werden Geschenke ausgepackt.

Clara: Typisch ist christliches Weihnachten in Schweden eigentlich nicht. Typisch ist alles gemeinsam vorzubereiten und zu schmücken. Am Nachmittag des 24. schauen viele zwei kurze Weihnachts-Kinderfilme, Donald Ducks Weihnachten und Karl-Bertil Jonsson. Ansonsten ist es typisch, am 24. abends gemeinsam Geschenke auszupacken (glaube ich zumindest) und vor allem zusammen zu Essen. Ein Julbord, also eine Weihnachtstafel, besteht aus einem großen Weihnachtsschinken, Prinskorv (kleinen Würstchen), Köttbullar (Fleischbällchen) und verschiedenen Sorten Heringssalat. Manche Familien essen an Weihnachten selbst kein Julbord mehr, aber zumindest essen sie es ein andermal während der Weihnachtszeit.

Wie war es für euch, Weihnachten in Skandinavien zu verbringen?

Juli: Ich fand Weihnachten in Norwegen wunderschön. Für mich kam viel mehr Weihnachtsstimmung auf, auch weil wir Schnee hatten. Mir hat es so gut gefallen, dass ich nach meinem Auslandsjahr nochmal über Weihnachten in Norwegen war.

Clara: Ich fand Weihnachten in Schweden sehr schön. Ich mag das Essen gerne, und durch das Luciafest wird man schon ein bisschen früher in Weihnachtsstimmung gebracht (und dadurch, dass die ganze Zeit Weihnachtsmusik im Radio läuft). Dadurch war ich die ganze Zeit super in Weihnachtsstimmung (und weil es tatsächlich ein bisschen geschneit hat). Ich habe als weihnachtliches Essen noch vergessen: Julmost, ein limonadiges Getränk, aber auch ein bisschen wie Malzbier. Wird an Ostern als Påskmost, also Ostermost verkauft. Und Glögg, der wie Glühwein schmeckt, nur etwas würziger und mit etwas weniger Alkohol.

Was fandet ihr am schönsten und was habt ihr vermisst?

Juli: Am schönsten fand ich es, meine komplette Gastfamilie (ich habe fünf Gastgeschwister) einmal auf einem Haufen zu sehen, und dazu noch die Kälte und den Schnee. Ich habe an Weihnachten nichts vermisst, für mich war es wirklich die schönste Zeit im ganzen Auslandsjahr.

Clara: Am schönsten fand ich in der Weihnachtszeit Lucia. Vermisst habe ich eigentlich nichts.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hast du nach diesen Erfahrungsberichten der skandinavischen Weihnacht Lust bekommen, einen Schüleraustausch in ein skandinavisches Land zu machen, um auch mal Lucia zu feiern, auf die Weihnachtskobolde zu warten und am Glögg zu nippen?

Auf Austauschjahr.de findest du weitere Informationen für einen Schüleraustausch in Skandinavien. Lese hier weiter:

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