Austauschschüler in Uruguay

Als Realschülerin oder Realschüler ins Ausland gehen

Nach wie vor kommen die meisten Austauschschülerinnen und Austauschschüler von einem Gymnasium. Dabei steht die Möglichkeit eines Austauschjahres auch Jugendlichen von anderen Schulformen offen. Die Kreuzberger Kinderstiftung fördert diese Jugendlichen und vergibt zahlreiche Stipendien an Mittel- und Realschüler. Wir sprachen im Interview mit Petra Billecke, langjährige Mitarbeiterin der Kreuzberger Kinderstiftung über die Möglichkeiten, auch als Realschülerin oder Realschüler ins Ausland gehen.

Welchen Ansatz verfolgt die Kreuzberger Kinderstiftung mit ihren Programmen?

Rund 95% der Teilnehmenden an Schüleraustauschprogrammen kommen immer noch von Gymnasien. Deshalb wenden wir uns direkt an Mittel- und Realschüler/innen. Im Vordergrund steht dabei der Gedanke der Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit im Jugendaustausch. Es geht darum, etwas, das im gymnasialen Bereich mittlerweile fest etabliert ist, allen zugänglich zu machen. Um mit dem Angebot auch diejenigen zu erreichen, die das Jahr zur beruflichen Orientierung nutzen wollen, haben wir zum Beispiel das Programm „Job-Kompass“ entwickelt, das Jugendlichen den Besuch einer beruflichen Schule im Ausland ermöglicht und damit primär die Schüler/innen anspricht, die eine duale Berufsausbildung anstreben. Die Wettbewerbsvorteile für den Ausbildungsmarkt liegen mit der spezifischen Auslandserfahrung für die Jugendlichen auf der Hand.

Wieso bewerben sich so wenige Jugendliche von Mittel- und Realschulen für ein Austauschjahr?

Viele wissen nicht, dass so ein Jahr auch dann möglich ist, wenn sie danach nicht weiter zur Schule gehen. Da Realschüler/innen nach ihrem Auslandsjahr nicht an ihre alten Schulen zurückkehren, gibt es dort keine Jugendlichen, die von ihrem Austauschjahr berichten und anderen als Vorbild dienen können. Außerdem sind Jugendliche, die kein Abitur anstreben, vom Auslands-BAföG ausgeschlossen. Somit bedeutet ein Auslandsjahr – auch mit Stipendium – immer noch einen höheren finanziellen Aufwand für die Familien.

Warum fördert die Kreuzberger Kinderstiftung ausgerechnet Austauschjahre in Europa?

Wir sehen aktuell, dass Europa, dessen langsames und mühsames Zusammenwachsen unser aller Leben nachhaltig geprägt hat, zunehmend von innen und außen in Gefahr geraten ist. Wir setzen uns für die Stärkung Europas als gesamtgesellschaftliche Aufgabe ein und fördern deshalb ab dem Schuljahr 2018/2019 ausschließlich Aufenthalte in europäische Gastländer. Denn interkulturelles Lernen ist in Belgien, Lettland oder Spanien genauso möglich wie in Japan oder Costa Rica!

Du interessierst dich für den Schüleraustausch? 

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